Vorbericht
Am kommenden Donnerstag fliegen elf Athleten der DLRG Rheda-Wiedenbrück nach Melbourne/Australien, um an den vom 10.-26.2.2006 stattfindenden Weltmeisterschaften im Rettungsschwimmen, der Rescue 2006, in Geelong (Poolwettbewerbe) und Lorne (Freigewässerwettbewerbe) teilzunehmen. Damit kehren die Weltmeisterschaften nach sechs Jahren wieder in die Wiege des Rettungssports zurück. Rettungsschwimmen gehört in Australien mit zu den populärsten Sportarten und findet großes Interesse in der Öffentlichkeit und Wirtschaft, was sicherlich auch am guten Job der australischen Lifesaver bei der Bewachung der vielen Stränden des Landes zu tun hat. Während der Sommersaison wird seit vielen Jahren eine Profiserie durchgeführt, die landesweit im Fernsehen übertragen wird.
Bisher haben sich 3600 Athleten aus 34 Ländern zum größten Event im Rettungsschwimmen gemeldet. Die Weltmeisterschaften werden alle 2 Jahre ausgerichtet und gliedern sich in die WM der Nationalmannschaften, der Interclub-Mannschaften (Vereinsteams) und die der Masters (Senioren). In allen Kategorien gehen die einheimischen Rettungsschwimmer an den Start. Bereits seit 1990 nimmt die DLRG Rheda-Wiedenbrück an den Weltmeister-schaften der Interclub-Mannschaften erfolgreich teil und hat sich zu einer festen Größe im Pool entwickelt.
Für insgesamt 21 Pooldisziplinen und 20 Ocean- und Stranddisziplinen können die Teams ihre Athleten melden. Für die Poolmeldungen sind Richtzeiten festgelegt worden, die die Sportler nachweislich in den letzten 12 Monaten erreicht haben müssen. Über Vorläufe im Pool, sowie bei den Freiwasserdisziplinen über Viertel- und Halbfinals qualifizieren sich die Athleten für die Finals. Der Schwerpunkt liegt beim heimischen Team wieder auf den Pooldisziplinen. Hier wird man versuchen Medaillen zu gewinnen und gute Platzierungen zu erzielen. Erfahrungsgemäß sind die Erfolgsaussichten für die deutschen Teams bei den Ocean- und Stranddisziplinen eher gering.
Nationalmannschaft
Der 28 jährige Carsten Schlepphorst hat wieder einmal die Qualifikation in die Nationalmannschaft geschafft. Für den 21 fachen Weltmeister ist es die insgesamt siebte Teilnahme an einer Rescue, sechs davon auch mit der Nationalmannschaft, womit der Rheda-Wiedenbrücker „Schleppi“ eine Ausnahmestellung unter den Rettungssportlern bei dieser Rescue einnimmt.
In seiner Paradedisziplin, dem 100 m Schwimmen und Retten mit Flossen, möchte er den WM-Titel noch einmal zurückerobern, den er ununterbrochen von 1996 bis 2002 gewann. Die Chancen dazu sind sicherlich gegeben, da eine Regelwerksänderung den zuletzt möglichen und immer wieder diskutierten Auslegungsspielraum beim Schleppen der Puppe, wieder eindeutig eingrenzt, was Schlepphorst mit seiner bewährten Schlepptechnik in Rückenlage entgegen kommen sollte. Seine stärksten Konkurrenten auf dieser Strecke werden Nationalmannschaftskollege Lutz Heimann, voraussichtlich Jason O`Pray/ Australien sowie die italienischen Herren sein. Gute Medaillenchancen besitzt er weiterhin mit der 4x25 m Puppe- und der 4x50 m Gurtretterstaffel, in denen das deutsche Team jeweils den Weltrekord hält. Im Pool startet er des weiteren noch in der Staffel Retten mit Seil und dem Erste-Hilfe-Wettbewerb, in dem das Team auf seine langjährige Erfahrung setzt. Im Freigewässer ist er für die Rescue-Tube Rescue-Staffel nominiert worden.
Fan-Unterstützung erhält das Team vom 1. Vorsitzenden der DLRG Rheda-Wiedenbrück Hans-Albert Lange und seiner Frau Hildegard Lange, die die Rescue 2006 zum Anlaß nahmen Ihren diesjährigen Urlaub in Australien zu verbringen.
Interclub-Mannschaften
In den Interclubwettbewerben schickt die DLRG Rheda-Wiedenbrück um die Routiniers Claudia und Carsten Schlepphorst sowie Anneke Hesse eine junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 21,5 Jahren an den Start. Alle jungen Athleten konnten aber schon bei der Rescue 2004 in Italien und bei der EM 2005 in Deutschland Erfahrungen auf dem internationalen Parkett sammeln. Ziel ist es für alle in den Einzeldisziplinen in den Bereich ihrer bisherigen Bestleistungen zu Schwimmen bzw. diese zu unterbieten. Um dieses zu erreichen, ist es wichtig den Jetlag durch die Zeitverschiebung aus dem Körper zu bekom-men. Deshalb reisen die Emsstädter zur Akklimatisierung gut zwei Wochen vor Wettkampf-beginn nach Australien.
Juniorennationalschwimmerin Anne-Theresa Eidhoff hofft sich im 100 m Schwimmen und Retten mit Flossen für das B-Finale qualifizieren zu können. Den 200 m Superlifesaver schwimmt sie als Zugabe zu ihrem Einzelprogramm.
Susanne Kornek ist die Final-Hoffnung der Emsstädter in der 100 m Kombinierten Rettungsübung und im 50 m Retten. Zudem ist die sprintstarke Freistilschwimmerin eine Verstärkung in allen drei Staffeln (Puppe, Hindernins und Gurtretter).
Für Urs-Hagen Schirbel ist es die erste Teilnahme an einer Rescue. Das Team setzt besonders in den Staffeln auf seine Sprintqualitäten. Seine persönliche Bestzeit im 50 m Freistil liegt bei 0:23,7 min. Im Einzel startet er noch im 200 m Hindernisschwimmen. Es wäre schon eine Überraschung, wenn er wie schon bei der EM 2005, den Einzug in das B-Finale schaffen würde.
André Held, Florian Stieglmaier und Niklas Schlottmann haben sich jeweils für zwei Einzeldisziplinen bei ihrer zweiten Rescue-Teilnahme im Pool qualifiziert. Die letzten Tests vor der Rescue lassen gute Zeiten erwarten.
Die erfahrenen Rettungssportler haben die Messlatte etwas höher gelegt. So will Carsten Schlepphorst bei den Interclubwettbewerben im 100 m Lifesaver mit zu den Medaillenanwärtern zählen. Die Nationalmannschaftskollegen Sören Borg/Berlin-Lichtenberg und Martin Bürger/Halle-Saalkreis sowie weitere starke, ausländische Konkurrenten aus Alcarreno/Spanien, Durban Surf/Südafrika sowie Maroochydore und Cronulla/Australien wollen ihm dieses Unterfangen streitig machen. Im 100 m Schwimmen und Retten mit Flossen zählt Schlepphorst sicherlich mit zum Favoritenkreis auf eine Medaille.
Schwester Claudia Schlepphorst hat sich ebenfalls auf die Flossendisziplinen spezialisiert. Es wäre ein toller Erfolg, wenn sie sich wie vor zwei Jahren, wieder für die Finalläufe im 100 m Schwimmen und Retten mit Flossen und im 100 m Lifesaver qualifizieren würde. Mit Partnerin Corinna Könighaus zählt sie im Retten mit dem Rettungsseil als amtierende Europameisterin zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter. Allerdings liegen in dieser Disziplin Erfolg oder Misserfolg dicht beieinander, da man ein hohes Risiko gehen muss, um am Ende nicht mit leeren Händen dazustehen.
Anneke Hesse ist die Allrounderin im Team und hat sich in den vergangen Jahren stark auf die Freigewässerdisziplinen spezialisiert. Besonders im Ski Race konnte sie national gute Platzierungen in der Nivea Trophy erreichen. Im Freigewässer absolviert sie in Australien das größte Programm. Bei dem vorraussichtlich hohen Wellengang wäre es ein Achtungserfolg, wenn sie in einer Disziplin in die Zwischenläufe einziehen könnte. Im Pool ist sie im Einzel in der Disziplin 50 m Retten nominiert sowie eine feste Größe in den Staffeln der Emsstädterinnen.
In den Staffeln haben sich die Damen das hohe Ziel einer A-Finalteilnahme in der Puppe- oder Gurtretterstaffel gesetzt. Die Chancen der Herren einer A-Finalteilnahme in der Gurtretterstaffel, sind nach dem kurzfristigen, berufsbedingten Ausfall von Flossensprinter Frank Wille gesunken. Eine B-Finalteilnahme sollte im Bereich des möglichen liegen.
Die Ocean- und Stranddisziplinen betrachtet das Rheda-Wiedenbrücker Team als Zugabe. Mit ein wenig Glück bei der Auslosung der Vorläufe besteht viellicht die Möglichkeit im Rescue-Tube Rescue Race (Gurtretter im Freigewässer) in die Finalläufe vorzudringen, was den Herren schon bei der Rescue 2002 in Daytona und bei der Rescue 2004 in Viareggio gelang.
Seniorenweltmeisterschaften (Masters)
Bei den Masters ist Claudia Schlepphorst erstmals startberechtigt. Sie wird im 100 m Schwimmen und Retten mit Flossen in der AK 30 starten und gehört sicherlich zu den Medaillenanwärtern. Die Masterswettbewerbe starten schon zwei Tage nach Ankunft in Australien. Den Wettkampf wird sie nutzen um das Becken schon einmal für die Interclubwettbewerbe kennenzulernen.
